Experiments - video
Ich verbrachte sechs Monate in Westaustralien und Neuseeland (Aotearoa). Dort sind Ideen für Szenen entstanden, die ich zu Hause weiterentwickelte. Im Studio am Trickfilm-Tisch musste ich häufig radieren, sodass aus den Radiergummi Resten zufällig eine Krähe wurde, die in meinem Kurzfilm ICH.BIN.WEG meine Reise-Begleiterin ist. Mittlerweile habe ich viele wegradierte Bleistift Linien, die blasse Spuren auf dem Papier hinterlassen haben sowie eine größere Anhäufung von Radiergummi-Schnipseln. Damit könnte ich im nächsten Film ein Mammut animieren. Ein großes, zottiges Tier, dass auf hellgrauen Spuren in einer eisigen Landschaft ohne Vorder- Mittel- und Hintergrund herumirrt.

Sketches
Mit einem simplen Programm zeichnete ich auf dem Tablet einige reels, indem ich von jeder Zeichnung ein Foto machte und diese mit einer Stop-Motion-App in Bewegung setzte. Das war nicht geplant, sondern ist unterwegs zufällig entstanden. Ich zeichnete überall, da ich viel Zeit hatte. Besonders schwierig waren die Skizzen im Geländewagen während der holprigen Fahrt durch das Outback in Westaustralien. Die Beschaffenheit der Straße führte meine Hand und es entstanden sehr authentische Reise-Zeichnungen.
Später am Strand im Campingstuhl entwickelte sich die Serie Before the shower. Nach dem morgendlichen Schwimmen im indischen Ozean ruhte ich im Schatten und entdeckte vor mir eine Stranddusche. Ich skizzierte täglich das Geschehen unter der Brause, während ein laues Lüftchen und lautes Krähengeschrei mich begleitete.
Anschließend bearbeitete ich die Skizzen auf dem Tablet.
Wenn ich unterwegs bin lebe ich in den Tag hinein und entdecke Dinge, die ich nicht wahrnehme, wenn der Tag verplant ist. Für mich ist die Grundlage für kreative Prozesse: Zeit haben und langweilig sein. Erst im Campervan im australischen Outback habe ich verstanden, was Picasso mit dem Satz Ich suche nicht, ich finde gemeint hat. Finden geht nur ohne Termine.
Eines Morgens am Strand als ich wieder eifrig meinen Bleistift über das Papier bewegte streifte eine sehr giftige Schlange meinen Campingstuhl. Ein Mann warnte mich. Nach dem ersten Schock tauchten Szenen aus einem Film von 1981 aus der Vergangenheit auf. Der Held in dem Film sagt häufig: Nenn mich Snake. Und schon hatte ich eine Szene im Kopf, die ich umsetzten konnte. Je länger ich unterwegs war, je häufiger sprangen Bilder berühmter Künstler oder Filmszenen aus dem Nebel meines unbewussten Bewusstseins in die Gegenwart und verknüpften sich mit dem Augenblick. So entstand Szene für Szene...
behind the scenes 2026






©Bernd Huber

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prillabout
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Erzähl doch mal, wie hat es angefangen?
Ich habe früh Punkte, Striche und Linien auf Wänden und Papieren hinterlassen. Meine Kompositionen auf Rauhfaser erinnerten an Cy Twomblys Schwungstriche auf grobem Papier. Ich machte alles mit links, da war ich ca. 2 Jahre alt. Aus der raumgreifenden Kritzelphase mit großen Armschwüngen wurden winzige Zeichnungen gequetscht auf Rändern von Schulheften. Während mich die Schulbank drückte zeichnete ich mit links und schrieb mit rechts. Der Stift tanzte immer von der linken in die rechte Hand und wieder zurück. Ich gab mir große Mühe jeden Buchstaben richtig auf die Linien zu setzen, um nicht abzurutschen.
Im Kunstunterricht kopierte ich Caspar David Friedrichs Bilder mit Wasserfarbe auf A3 Zeichenblöcke. Auf Schulfesten zeichnete ich Porträts und nahm an Malwettbewerben teil. Schon damals verstand nicht ich die Kunst, sondern die Kunst verstand mich. Das war schön, aber ich bewältigte den Alltag mit der rechten Hand und die Kunststimme in meiner rechten Gehirnhälfte wurde schließlich sehr leise, denn ich machte ein intensives Workout meiner nicht dominanten Gehirnhälfte. Ich war radikal damit beschäftigt eine gute rechte Hand zu werden.
Was heißt das?
Ich bin über zwei oder drei Umwege Kunstlehrerin geworden.
Interessante künstlerische Vita. Willst du jetzt umschalten und wieder mit links trainieren? Bisschen spät, oder?
Nö, weißt du nicht was Churchill sagte: Now is not the end. It is not even the begining of the end, but perhaps, it is the end of the begining.
Außerdem bin ich mit links schneller.
Na, dann bin ich gespannt.
Ich auch…
Was meinst du?

















